Industriestrompreis 2026: Fördervoraussetzungen und BAFA-Antragsverfahren
- Für das Abrechnungsjahr 2026 wird der Antrag auf den Industriestrompreis rückwirkend im Jahr 2027 gestellt – voraussichtlich in einem Zeitfenster, das frühestens am 31. März und spätestens am 30. September 2027 endet.
- Zuständige Vollzugsbehörde ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA); die Antragstellung erfolgt vollständig digital.
- Ab einem beantragten geförderten Verbrauch von 10 GWh ist ein Prüfungsvermerk durch einen Wirtschaftsprüfer erforderlich.
- Die Beihilfe steht unter Haushaltsvorbehalt – reichen die Mittel nicht aus, werden alle Leistungen quotal gekürzt.
- Unternehmen sollten die Vorbereitung – Wirtschaftszweig-Zuordnung, Mess- und Nachweisstruktur, Auswahl der Dekarbonisierungsmaßnahmen – bereits jetzt beginnen, obwohl die eigentliche Antragstellung erst 2027 erfolgt.
Im ersten Teil dieser Reihe haben wir den Industriestrompreis im Vergleich zu den übrigen Entlastungsinstrumenten eingeordnet. Teil 4 konzentriert sich nun auf die konkreten Fördervoraussetzungen und das Antragsverfahren – Fragen, die angesichts der ungewöhnlichen Struktur des Instruments (Förderung 2026, Antragstellung 2027) frühzeitige Vorbereitung erfordern.
Wer ist antragsberechtigt?
Beihilfeberechtigt sind Unternehmen, deren Tätigkeit einem der 91 (Teil-)Sektoren der Teilliste 1 des Anhangs I der Leitlinien für staatliche Klima-, Umweltschutz- und Energiebeihilfen (KUEBLL) zugeordnet ist – darunter Unternehmen der chemischen Industrie, der Metall-, Papier- und Glasindustrie, des Maschinenbaus, der Rohstoffgewinnung sowie der Zement-, Batteriezell- und Halbleiterindustrie. Auch Unternehmen, deren Sektor im Rahmen einer Einzelfallentscheidung der Europäischen Kommission die Beihilfefähigkeitskriterien nach Randnummer 116 des CISAF erfüllt, können antragsberechtigt sein.
Das Antragsverfahren: Rückwirkende Beantragung durch das BAFA
Der Industriestrompreis wird als Billigkeitsleistung nachträglich gewährt: Für das Abrechnungsjahr 2026 erfolgt die Antragstellung im Jahr 2027, für das Abrechnungsjahr 2027 entsprechend 2028 und so fort. Die Antragsfrist für das jeweilige Antragsjahr endet nach den bisherigen Angaben frühestens am 31. März und spätestens am 30. September – das BAFA wird den genauen Termin auf seiner Internetseite rechtzeitig bekannt geben. Die Antragstellung erfolgt vollständig digital über ein vom BAFA bereitgestelltes Online-Portal.
Ab einem beantragten geförderten Stromverbrauch von 10 GWh ist zusätzlich ein Prüfungsvermerk durch einen Wirtschaftsprüfer oder eine Wirtschaftsprüferin vorzulegen. Ein Rechtsanspruch auf die Billigkeitsleistung besteht nicht – das BAFA entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen und im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel; reichen diese nicht aus, werden sämtliche Leistungen anteilig gekürzt.
Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass die zeitliche Struktur des Industriestrompreises – Förderjahr 2026, Antragstellung erst 2027 – häufig zu der Fehleinschätzung führt, die Vorbereitung habe noch Zeit. Tatsächlich sollten Unternehmen bereits jetzt folgende Schritte einleiten: die korrekte Zuordnung des eigenen Wirtschaftszweigs zur KUEBLL-Liste prüfen, alle förderfähigen Abnahmestellen in Deutschland identifizieren, eine belastbare Mess- und Nachweisstruktur für den anrechenbaren Stromverbrauch aufbauen, geeignete Dekarbonisierungsmaßnahmen für die Reinvestitionspflicht auswählen und die Abgrenzung zu etwaigen SPK-Anträgen sauber dokumentieren. Wer diese Vorarbeiten erst nach Bekanntgabe des Antragsfensters beginnt, riskiert unter Zeitdruck zu geraten – insbesondere bei einem beantragten Verbrauch ab 10 GWh, bei dem zusätzlich die Einbindung eines Wirtschaftsprüfers eingeplant werden muss.
Die Reinvestitionspflicht als Gegenleistung
Mit Erhalt der Billigkeitsleistung verpflichten sich Unternehmen, mindestens 50 Prozent des Betrags binnen 48 Monaten nach Bewilligung in anerkannte Dekarbonisierungsmaßnahmen zu investieren – etwa in erneuerbare Erzeugungskapazitäten, Energiespeicher, Nachfrageflexibilität, Energieeffizienz, Elektrolyseure oder Elektrifizierung. Wird mindestens 80 Prozent der Gegenleistungsverpflichtung durch Investitionen in nachfrageseitige Flexibilität erfüllt, erhöht sich der Basis-Beihilfebetrag um einen Flexibilitätsbonus von 10 Prozent.
Der Industriestrompreis verlangt von Unternehmen eine vorausschauende Planung, die deutlich vor der eigentlichen Antragstellung beginnen muss. Wer die Fördervoraussetzungen frühzeitig prüft und die erforderliche Nachweisstruktur rechtzeitig aufbaut, vermeidet Zeitdruck im entscheidenden Antragsfenster 2027. Im nächsten Teil dieser Reihe befassen wir uns mit der Kumulierbarkeit von SPK, Industriestrompreis und BesAR in komplexen Konzernstrukturen.
Sie möchten Ihre Antragsvorbereitung für den Industriestrompreis 2026 jetzt strukturiert angehen? Sprechen Sie uns an.